Vom Einblick in die Flugvorbereitung und dem Cross Country Flug – die zweite Chance!

Veröffentlicht: 18. Oktober 2010 in Allgemein

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Servus nochmal!

Wie heute morgen schon versprochen hier nun der zweite Bericht von Kim’s und meiner Reise. Dieses Mal wollten wir es wirklich wissen und kamen wild entschlossen morgens um 8h am Flughafen bei Florida Flyers an.

Um Zeit zu sparen, haben wir anschließend die Aufgaben etwas verteilt, damit wir nicht beide gleichzeitig unsere Konzentration an Briefing, einholen von Wetterberichten, Auskünften von Spritpreisen (mehr dazu gleich..), Flugplatzkarten und dem wichtigen Outside-Check an der Maschine verheizen.

Hier mal ein kurzer Einblick in die Thematik „Flugvorbereitung“: Der Outside-Check an der Maschine umfasst eigentlich alles, was für’s Fliegen und dessen Sicherheit relevant ist. Zuerst fängt man an, mal alle Lichter zu überprüfen und ob die Landeklappen richtig funktionieren. Anschließend geht es wieder raus und wird bei einem Rundgang um den Flieger Bereifung, Fahrwerk, Bremsen, Landeklappen, Querruder, Zustand der Tragflächen und der Verkleidung, Geschwindigkeits- und Drucksonden, Propeller, Motorraum, Ölstand, Antennen, Höhen- und Seitenleitwerk sowie der Benzinstand und dessen evtl. Kontamination mit Kondenswasser im Tank überprüft. Hat man all diese und noch einige weitere Punkte ordentlich abgeschlossen, darf man sich einigermaßen ruhigen Gewissens dem Cockpit nähern und in selbigem dann Platz nehmen. 🙂 Zeitvorgabe hierfür max. 3-5 mins.!

Dann kommen noch einige Minuten schaler Phraseologien von Checklisten hinzu, die man mit der Zeit mehr oder weniger auswendig kann. Nicht, weil man es möchte oder weil man sie gar so gut gelernt hat, nein, es nervt einfach bloß und deshalb hat man das nach und nach immer besser drin :D! Ein von Zeit zu Zeit prüfender Blick hinein schadet aber keinesfalls. Es geht also weiter: Gurte anschnallen, Sitze einstellen, Türen verriegeln, Batterieschalter an, Sicherungen der Elektrik überprüfen, Tankanzeigen checken, Trimruder einstellen, Bezinhahn auf „on“ stellen, alle Geräte müssen aus sein, Vergaservorheizung aus, Blinklicht an, Gemischregelung voll reich, 1/4 Gas öffnen, Benzin bei kaltem Motor voreinspritzen, Bremsen betätigen, Propeller Area left-front-right clear –> Start Engine. Zeitvorgabe für diesen Abschnitt max. 2 Minuten und alles exakt der Reihe nach ausführen und laut vorsagen! Da darf man also schon Gas geben. Bei uns im TimeBuilding geht das inzwischen sehr schnell, ich erinnere mich jedoch auch noch an meine Anfangszeiten, da dauerte das noch um einiges länger :D.

Nach maximal 30 Sek. muß dann der volle Öldruck anstehen, tut er das nicht, darf man ab hier schon nicht mehr weiter machen. Wie eigentlich bei jedem Punkt, bei dem vorher schon etwas nicht stimmen würde. Dann geht es weiter mit Drehzahl einstellen, Lichtmaschine dazuschalten und Ladestrom überprüfen, Instrumente einstellen und überprüfen, Beweglichkeit der Steuerflächen überprüfen, Funkgeräte und Transponder einschalten, Navigationslichter (grün/rot) einschalten…. auch hier muß alles laut angesagt werden und vom Partner bestenfalls mit einem „checked“ bestätigt werden und irgendwann darf man dann auch mal losrollen und die Startfreigabe einholen. Spaß hat man bisher also noch keinen gehabt! 😦

Nehmen wir also der Einfachheit einfach mal an, daß beim Thema „Pre-Flight-Checks“ bei uns also alles bestens verlief :D!

Kim war an den Controls (verantwortlich am Steuer), ich als Copilot am Funk, Checklisten durchgehen, Routing organisieren, Anflugblätter vorbereiten, Bordservice, InFlight Entertainment, Duty Free Shopping, Fotos und Videos machen. Alles, was halt so dazugehört :D.

Von St. Augustine um 13:50h Zuluzeit (also UTC, nach Lokalzeit war es -4 Std. also 09:50h) abgehoben, führte das Routing gleich ins Landesinnere über Palatka und Ocala in den kontrollierten Luftraum von Tampa hinein. Wir wählten eine klassische Flughöhe von 3500 Fuß, was in etwa 1060 m entspricht. Waren wir die ersten Tage jedoch immer ohne Funküberwachung unterwegs, hatten wir uns bei diesem Flug von verschiedenen Kontrollstellen (Jacksonville, Orlando, Tampa) ein sogenanntes „Flight Following“ requested. Das bedeutet, daß wir dem Controller unseren Transpondercode, unsere Flughöhe und unser Ziel mitteilen. Damit bekommt er uns dann auf seinen Schirm und kann uns durch Ansagen von Steuerkursen, sog. Headings, durch seinen Luftraum leiten und uns frei von anderem Verkehr halten.

In der Früh vergeht die Zeit immer etwas schneller, so konnten uns die ersten 2:12 Std. nichts anhaben und wir erreichten gegen 11:00h Lokalzeit die riesige Bucht von Tampa. War es im Inland sehr ruhig zugegangen, mussten wir hier nun die Lauscher etwas weiter aufsperren, da es mehrere Flughäfen in der Umgebung hat und hier das Verkehrsaufkommen schon etwas größer ist. In 1000 Fuß über’s Wasser flogen wir dann St. Petersburg (KSPG) entgegen und kamen recht schnell ohne weitere Einschränkungen in die Platzrunde hinein und zimmerten auf der RWY 06 eine geschmeidige Landung hin. Das sollte sich auch als gut erweisen, denn neben uns befand sich direkt das Terminal mit Restaurant im 1. Stock, welches zur Mittagszeit natürlich rappelvoll war und wir deshalb auch unter verschärften Bedingungen beobachtet wurden :). Es machte eher den Anschein eines Yachthafens hier, denn unten stellten all die Piloten ihre begehrten frisch geputzten Maschinen ab, um dann oben auf der Terrasse den Dicken raushängen zu lassen und zu schauen, was die anderen so haben. Wir parkten uns irgendwo an die Seite hin, da wir optisch mit den anderen dicken Geräten leider nicht ganz mithalten konnten :(. Wir bekamen jedoch trotzdem einen der begehrten Plätze oben am Geländer und konnten die gute Aussicht genießen.

Nachdem Kim einen exzellenten Burger zu sich nahm, ich hatte nur ein Glas Wasser, ging es über die RWY 06 wieder hinaus über die Bucht von Tampa weiter Richtung Süden, wo wir nach weiteren 1:16 Std. auf dem Flughafen von Fort Myers (KFMY) auf der mehr als ausreichend RWY 05 landeten. Ich habe dieses Ziel vor allem aufgrund seiner grünstigen Spritpreise in der Region ausgewählt. Man kann sich nicht vorstellen, wie hier die Preise für eine Gallone (3,78 ltr.) Avgas 100LL variieren. In St. Augustine 3,69 $, in Fort Myers zahlten wir 3,51 $, es hätte aber auch schlechter kommen können, zum Beispiel in Fort Lauderdale, wo die Gallone mit exorbitanten 7,34 $ zu Buche schlägt. Das macht bei einer Tankfüllung einen ganz schön schlanken Geldbeutel. 😦

Von Fort Myers hatten wir nach einer knappen Stunde Pause und chillen in der Pilots Lounge mit gratis Getränken und Popcorn noch die Idee, weiter nach Miami zu fliegen, entschieden uns aber aufgrund der Sonne um, doch gleich ein nördlich gelegeneres Routing wieder rüber auf die Ostseite Florida’s nach Palm Beach zu wählen. Unterwegs hatten wir dann aber nochmals die Überlegung, uns ein Flight Following nach Orlando geben zu lassen, weil wir das unbedingt auch mal sehen wollten. Über einen recht lustigen Ort im Landesinneren namens Okeechobee 🙂 kamen wir von Süden direkt auf Orlando zu. Schön fleißig hielten wir uns stets 10° links vom vorgegebenen Steuerkurs, um auch ja schön nah an diesen riesig-großen internationalen Flughafen heranzukommen. Die Controllerin merkte dies jedoch irgendwann und gab uns einen neuen Kurs von 30° weiter östlich vor. Shit!! Ein paar gute Fotos wurden trotzdem noch draus und wir waren beide ziemlich gestoked von dessen Anblick. Die großen anfliegenden Jets waren mit uns auf einer Höhe und wir haben alles im Funk schön mithören können.

Dann kam eine echt zäher Streckenabschnitt, an dem man öfters gerne mal eingeschlafen wäre. Der Tag hatte bereits seine Spuren hinterlassen und wir waren echt fertig vom vielen fliegen, ich hatte meine Mühen, noch wach zu bleiben. Trotz leichter Turbulenz durch die nachmittäglich aufgezogenen Cu-Wolken, unter denen wir knapp vorbeiflogen. Als wir dann aber im Funk von Orlando auf Daytona Delivery übergeben wurden, ging plötzlich wieder die Post ab und es gab einiges zu befolgen und zurückzusprechen (Funkgespräche werden ja immer aufgezeichnet, weshalb man alles immer zurücksprechen muß, falls mal was passieren sollte) und ich wurde wieder wach. Noch immer lag eine gute Stunde Flugzeit vor uns und wir sehnten uns unendlich der Heimat entgegen. Dieser letzte Flug dauerte satte 3:13 Std. (Landung um 22:25h UTC, 18:25h Lokalzeit) und ihr könnt euch garnicht vorstellen, wie einem da der Arsch wehtut, wenn man so lange in der kleinen Cessna sitzt :D. Noch nicht mal ausstrecken kann man sich. Uuuaaaaahhh!

Insgesamt kamen so heute satte 6:41 Std. Flugzeit und 479 nautische Meilen Strecke zusammen, was umgerechnet 888 km entspricht. Dieses Mal hatten wir die Stempel bei den Airports nicht vergessen und können so endlich den bestandenen / absolvierten Überlandflug in unserem Ausbildungsplan abhaken. Kaum zu glauben, daß wir soweit gekommen waren!!

Abends gab es erst einmal was ordentliches zu essen und eine wohltuende Dusche. Oh Gott, wie herrlich. Und endlich mal auf der Couch wieder die Füße ausstrecken. Schnell kamen Kim und ich wieder in Fahrt und so entschlossen wir uns noch zu einem Kinobesuch in St. Augustine und zogen uns den brandneuen „Jackass 3D“ rein :D. Wer also Lust auf richtig viel Scheiße, Schmerzen, Mitgefühl und Erbrochenes hat, dem sei dieser Film wärmstens empfohlen. Wir fanden’s lustig :).

Anbei wieder wie gewohnt ein paar Bilder vom Flug sowie die Airportcharts mit Anflug (rot) und Abflug (grün).

Gute Nacht und viele Grüße rüber nach Europa.

M.

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