Mit ‘Panama City’ getaggte Beiträge

Nach dem Tagesausflug nach Venice war es so weit, wir packten abends noch all unsere Sachen zusammen und checkten die Spritpreise für die Tankstopps unterwegs. Auch hier mußten wir wieder einige Preisschwankungen feststellen. Wenn man sich also nicht zwingend aus sonstigen Gründen auf einen bestimmten Platz festzulegen hat, sollte man den Steuerkurs ruhig ein paar Grad links oder rechts wählen, wenn man dadurch zu einem billigeren Platz kommt.

So also auch bei uns geschehen und wir änderten die ursprüngliche Route über Valdosta nun auf Quincy (K2J9, unkontrolliert), was ca. 10 NM nordwestlich von der Hauptstadt von Florida – Tallahassee – lag. Ein traumhaft schöner kleiner Platz, sehr gepflegt und irgendwo im Nirgendwo. Taxiways gibt es keine, also rollt man nach der Landung einfach von der Piste ab ins Gras, englisch geschnitten und fast so glatt wie Asphalt. Rundherum nichts als Bäume und ganze Wälder, zwischendrin nur ein herausgehauenes Loch, worin dieser Platz liegt, komisch von oben anzusehen. Aber beim Sprit gab es nur 10 ct/gal. draufzuzahlen und da wir die einzigen Piloten am Platz waren, konnten wir einige Zeit lang die dortige Stille genießen, bevor es wieder in die brummigen Cessnas und damit zurück in die Luft ging.

Wie schon auf dem Weg hierher, erbaten wir nach dem Abflug auf der 14 mit folgendem Rechtsturn wieder Flight Following auf Tallahassee Approach, mit einer Höhe von 6’500 ft. Rund eine halbe Stunde nach Abflug mußten wir dann eine kurze Wolkenfront überfliegen, die sich unserem Weg gerade entgegenschob. Eigentlich nichts schlimmes. Eigentlich..

Kim und mir wurde in unserer bisherigen Pilotenkarriere nun zum ersten Mal die Ehre einer Vergaservereisung zuteil, die uns just in dem Moment ereilte, als wir gerade über die Wolkendecke fliegen wollten. Bevor wir nun gesagt bekommen, das Überfliegen von Wolken wäre illegal, dem muß ich abwinken: In den USA ist VFR „on top“ absolut erlaubt und per Überwachung eines Controllers auch keinerlei Behinderung. Ganz anders zu Europa. Wie dem auch sei..  😦  plötzlich und nichtsahnend begann unsere Cessna plötzlich zu husten und zeigte einen deutlichen Drehzahlabfall und damit einhergehende Leistungsreduzierung auf. Natürlich denkt man in diesem Moment an alles mögliche, was denn nun sein könnte. Da wir das Gemisch in dieser Höhe vorbildlich verarmt hatten, kam uns zuerst dies in den Kopf, woraufhin wir erst einmal versuchten, wieder mit voll reichem Gemisch zu fliegen – keine Reaktion. Vergaservorheizung (Carburator Heat) hinzugeschalten (gezogen), stieg die Drehzahl dann wieder an, kam aber trotzdem nicht auf volle Leistung. Nach einer halben Minute vllt probierten wir es wieder, ohne Vorheizung zu fliegen, worauf uns die Maschine dann direkt abstarb und wir sie gerade noch am Leben halten konnten, indem wir die Carb. Heat wieder zogen. Diese Art von „Engine Failure“ ist freilich auch Teil unseres Ausbildungsprogramms, jedoch dort immer mit Fluglehrer und immer nur simulated, d.h. es wird nie wirklich die Zündung ausgeschalten, sondern nur mit Leerlaufdrehzahl simuliert. Wenn man das jedoch einmal live und ohne Spaß erlebt, geht einem schon etwas mehr die Pumpe. Die Höhe war ja super und es hätte für einige Zeit an Segelflug gereicht, ganz wohl war uns bei der Sache jedoch trotzdem nicht und während Kim nach einem Ausweich-Flugplatz in der Nähe im GPS suchte, begann ich schon mal, den Controller auf unser Problem hinzuweisen und die Änderung unseres Flugplans zu beauftragen. Noch dazu mußten wir zusehen, wie wir durch die Wolken da wieder runterkommen konnten, damit wir auch nach einem ggfs. erforderlichen Notlandefeld Ausschau halten konnten. Wir hatten Glück und fanden ein ansprechend großes Loch, wo wir mit moderater Sinkrate durchstechen konnten und waren nicht sehr amused, als wir unter uns nichts als Wald sahen – keine Chance, irgendwo sauber landen zu können! Die andern beiden – Domi und Fritz – hatten im Funk natürlich davon mitbekommen und änderten ebenfalls ihr Routing, um uns zu folgen. Auch hier war die plötzliche Kursänderung überraschend gekommen.

In der Nähe befand sich der erst im Mai eröffnete große Flughafen North-West Florida / Panama City Intl. (KECP), auf dem wir sofort einen Straight-In-Approach für die 16 bekamen und zum Vorfeld rollten. Als wir den Motor abstellten und festen Boden unter uns hatten, waren wir erst einmal ziemlich erleichtert von dem Schock. Wir fanden ein paar coole ältere Piloten dort, denen wir das Problem schildern konnten und die uns unseren neuen Kollegen „Keith“ vorstellten. Keith ist selbst Privatflieger und schon seit Jahren mit der Luftfahrt verbunden, hat selbst Flieger und weiß daher auch um die ein oder andere Lösung bestens bescheid. Dummerweise mußten wir erst noch einige Zeit lang auf ihn warten, bis er schließlich Zeit für uns hatte. So lange machten wir es uns im FBO von Shelt-Air mehr oder weniger gemütlich, tranken Wasser und aßen einige Tüten vom salzigen gratis Popcorn als Schocktherapie. 🙂 Keith rollte dann mit Kim in der Maschine ein wenig am Vorfeld umher und stellte ein paar Dinge an der Maschine ein, drehte sie mal hoch, checkte die zwei Zündkreisläufe, verarmte das Gemisch, um die Kerzen mal ordentlich heiß und frei zu brennen und siehe da, die kleine Cessna lief anschließend so weich und geschmeidig wie noch nie zuvor. Wir waren sehr erleichtert und hatten für diesen Service noch nicht einmal mehr als zwei warme Händedrücke zu bezahlen. Amazing, thanks Keith, you saved our day! 😉

Nach fast 3 Stunden Festsitzen in Panama ging es entland der Coastline wieder weiter westlich in Richtung Pensacola, was wir kurz darauf auch schon erreichten und auf dem Platz Pensacola Regional (KPNS) landeten.

Dort wurden wir von Kim’s Freunden, Connie und Bill (einem echten, liebenswerten amerikanischen Ehepaar) abgeholt, um in bestem Anstand mit schwarzem Mercedes E-320 und S-550 zur nächsten Burgerbrutze kutschiert zu werden. Das „McGuire’s“ ist der vermutlich berühmteste Irish Pub in der ganzen Stadt, ein wirklich toller gemütlicher Laden, mit netter Bedienung, gutem Essen (20 verschiedene 3/4 lbs. Burger für je 9,99 $!) und einer einzigartigen Raumgestaltung. In diesem Pub kleben Trinkgeld-Dollarscheine im Wert von geschätzten 1,2 Millionen Dollar!!! Wohin man sieht, die gesamte Decke und nahezu alle Wände sind damit vollgepflastert. Wie schräg!!!  😀

Danach ging es erst einmal nach Hause, Connie und Bill sind die wohl besten und freundlichsten Gastgeber die man sich nur vorstellen kann. Nach unserem Halbtagestrip im Flieger wusste sie genau, was wir nun bräuchten und servierten uns auf der Terrasse erst einmal einige Biere und kalte Getränke für die Non-Alcoholics unter uns..

Umso schneller war dann dieser erste Abend in Pensacola auch vorbei und wir fielen alle ziemlich im Arsch ins Bett.

Gestern bekamen wir dann die E-Klasse zur Verfügung gestellt, um unsere Sachen zu erledigen, was wir eben so vorhatten. Zuerst ging es nach Pensacola zum Naval Aviation Museum, ein absolutes Must-See! Wir verbrachten einige Stunden darin, sahen unzählige Flugzeuge und weitere Zeitzeugen der Geschichte der Luftfahrt und der Weltkriege, der Raumfahrt, der Flugzeugträger und in erster Linie auch der „Blue Angels“, die hier stationiert sind und die wir ja vor zwei Wochen schon in Jacksonville auf der Airshow gesehen hatten. Es war toll hier, hier sollte jeder mal vorbeigeschaut haben! Der Eintritt ist sogar gratis..

Anschließend fuhren wir wieder mal in eine riesengroße Mall, überhaupt die größte aller bisher besuchten. Ich hasse diese Läden, wirklich! Ich schwör’s, das war der absolut teuerste Urlaub aller Zeiten :D, jetzt aber sind wir für alle Zeiten mit Klamotten und Schuhen gerüstet ^^.

Der Abend fand seinen Ausklang zuhause und Bill lud uns zu einem BBQ zuhause ein. Ich war verdammt froh, mal etwas anderes als Burger zu essen – die sind halt auch so verlockend ständig. Bill packte seinen riesigen Grill auf der Terrasse aus und zauberte jedem einen fetten Fetzen Fleisch, genau auf die Minute gebraten, auf den Teller, dazu gab es Connie’s famous Folienkartoffeln mit SourCream – man hätte sich reinlegen können!!  🙂

Theoretisch war also für heute – nein halt, in Europa ist es ja schon Donnerstag – also für Mittwoch die Rückreise geplant. Jedoch kam gestern ein ziemliches Sauwetter über uns herein, und heute morgen schon schüttete es in Strömen, was nur runterging. Weltuntergangsstimmung draußen, Nebel- und Regenschwaden und die Straßenränder voll mit Wasser. Noch nicht mal ein Fisch wär‘ freiwillig vor die Tür geschwommen :D. Für uns bedeutete das also keinerlei Chance auf sicheren Rückflug – wir mussten hier bleiben.

Den Tag brachten wir dann schon rum. Wir nahmen uns wieder den schicken schwarzen Benz mit den beigen Ledersitzen und fuhren nach Alabama. Sehr geil dort. Und wieder mal ein riesiges Outlet-Center mit knapp 160 Stores von Aéropostale und GAP bis hin zu Black&Decker und weiteren großen Brands. Diesmal jedoch bewies ich „Stehvermögen“ und widerstand der zuckersüßen Shopping-Versuchung :).

Nach all der Anstrengung ging es hungrig zu einem Laden um die Ecke, dem „Lambert’s“. Ich war sehr froh, neben den täglichen Burgern hier mal ein wenig Abwechslung vorzufinden. Mal abgesehen davon braucht man hier eigentlich überhaupt nichts zum essen bestellen, weil einem sowieso minütlich irgendwelches Fingerfood gratis serviert wird. Der eigentliche Grund, hierher zu kommen, ist aber, daß ebenso minütlich ein Herr mit ’nem riesigen Brotkorb durchläuft und es einem aus weiter Entfernung zuwirft, wenn man ihm Nachschub signalisiert. Extrem peinlich also, wenn man nicht fängt und das Brot am Boden landet. Dann wirft er eben das nächste. Toll schmeckt aber alles da!

Das war’s dann wieder für’s erste, anbei einige Fotos vom Trip. Der Rest folgt bei der Rückreise in einem zweiten Teil.

M.

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